Beißen

Allgemeines zu Irish-Terriern, insbesondere ihre Erziehung und ihr Verhalten/ All about Irish-Terriers, especially training and behaviour.
[Moderator: Andreas Clauser]

Beißen

Ungelesener Beitragvon Monika Becker-Knigge » So 27. Okt 2013, 19:12

Hallo liebe Irish-Terrier- Freunde,
meine Hündin (4 Jahre alt und nicht kastriert, eigentlich eher schüchtern) hat sich schon mehrmals spontan auf andere, meist schüchterne Hündinnen gestürzt und zugebissen. Dies geschieht ohne "Vorgeplänkel", und ihre Aggression ist für mich nicht vorher nicht zu erkennen. Sie ist ansonsten im Haus angenehm und unauffällig. Ich habe schon über Hundeschule und Bachblüten alles probiert, aber leider ist sie wieder rückfällig geworden. Kann mir jemand weiterhelfen? Ich bin wirklich am Verzweifeln.
Vielen Dank schon mal.
Monika
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Re: Beißen

Ungelesener Beitragvon Birge Vietor » So 27. Okt 2013, 19:37

Hallo,
ich habe Ihnen auch schon eine Mail geschickt.
Was bedeutet bei Ihnen "Beißen"?
Abwehr mit Krawall? Richtiges Verletzen?
Manchmal sind Hunde, die normalerweise weit unten in der Rangfolge stehen, überraschend aufmüpfig bei fremden Hunden.
Außerdem machen Hunde im Alter von 4 Jahren einen Selbstewusstseinsschub durch, der die Besitzer oft überrascht.
Wie verhalten Sie sich in dieser Situation?
Viele Grüße
Birge Vietor
Birge Vietor
 

Re: Beißen

Ungelesener Beitragvon Susanne Jans » So 27. Okt 2013, 23:20

Hallo Frau Becker-Knigge,

Sie sind nicht allein und ich kann bestens nachfühlen! Vielleicht haben Sie
meinen Beitrag "Feind für´s Leben" auch gelesen. Unsere Hündinen haben
ähnlichen Charakter und Alter.
Ich versuche beim Laufen mit anderen Hunden mich mehr auf das "Kleingedruckte des Hundes"
zu konzentrieren und weniger zu quatschen und habe schon dadurch manche Situation
entschäft. Mit Kleingedrucktem meine ich: Ohrstellung, Mundwinkel, Nackenhaare,
Steifheit, Fixieren.
Kommt uns ein Hund entgegen, den sie nicht 100% mag, kommt sie an die Leine.
Ist es denn bei Ihrer Hündin bei neuen Begegnungen oder auch "alten Gesichtern"?
Abrufbar, jederzeit, daran müssen wir (also meine Familie) arbeiten.
Es sind eher auch unsichere Hunde, die sie angemacht hat.

Ich hab mir schon überlegt, dass es vielleicht auch mit Frust zu tun hat.
Mit 2,5 hat sie die Jagd entdeckt und war seither deutlich mehr an der Leine,
jetzt, nach der ersten richtigen Rauferei, leider noch mehr und sie merkt
natürlich auch, dass ich nicht mehr relaxt bin.

Welche Lösungsansätze gaben denn Ihre Trainer?
Wir werden unsere Trainerin auch nochmals um Rat fragen.
Oder gibt es hier im Forum Mensch-Hunde-Teams, die diese Situation
auch hatten und andere Methoden wie "immer an der Leine" gefunden haben??

Dass eine Hündin (egal welche Rasse) sich noch mit 4 verändert/festigt,
habe ich jetzt noch nie so gehört, Frau Vietor. Warum mit 4?
Ich hatte auf den Satz: 4 Jahre junger Hund, 4 Jahre guter Hund, 4 Jahre alter Hund,
gesetzt (grins).
Liebe Grüße
Susanne Jans
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Re: Beißen

Ungelesener Beitragvon Birge Vietor » Mo 28. Okt 2013, 20:13

Hallo Frau Jans,
ich habe schon seit 1970 Hunde. Meine erste Hündin war ein Rauhaardackel aus jagdlicher Zucht, 6 Monate alt und im Zwinger aufgewachsen. Sie kannte nichts und mochte niemanden. Aber mit 4 Jahren hatte sie ihren Weg gefunden. Meine Familie und später auch ich, haben immer mehrere Hunde unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Rassen gehalten.
Für mich ist es ganz wichtig, wie die Besitzer in oben genannten Situationen reagieren.
Die beste oder schlechteste Aufzucht kommt nicht gegen den jahrelangen Einfluss der aktuellen Besitzer an.
Darum stelle ich die Frage, wie die Besitzer reagieren.
Das ist nicht böse gemeint!
Viele Grüße
Birge Vietor
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Re: Beißen

Ungelesener Beitragvon Susanne Jans » Mo 28. Okt 2013, 22:23

Hallo Frau Vietor,

ich stimme Ihnen da schon zu, dass auch bei einem gut sozialisierten Hund durch falsche/unerfahrene
Vorgehensweisen der Besitzer unerwünschtes Verhalten eher verstärkt wird - und anders rum.

Sie fragen, wie wir reagieren. Beim 1. Mal, als sie zickig an der Leine war (großer bekannter Hund,
kam plötzlich eng vorbei) habe ich bestimmt zu sehr geschimpft (war der Hund des Rektors :? ). Dies hat ihren Ärger nur verstärkt.
Ein Nein oder Lass das kommt aber schon. Aber kein Geschrei oder körperliche Gewalt.

Wie haben Sie bisher reagiert, Frau Becker-Knigge und was würden Sie uns raten, Frau Vietor?

Danke
Susanne Jans
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Re: Beißen

Ungelesener Beitragvon Angela Wahner » Di 29. Okt 2013, 19:18

Hallo Monika und alle anderen,

Ich denke es ist, wie bei vielen anderen Erziehungs- bzw. Verhaltensfragen nicht einfach umsetzbare Ferndiagnosen zu erstellen.

Zunächst einmal möchte ich den "Persönlichkeitsschub" im Alter von 4 Jahren aus eigener Beobachtung bestätigen. In dieser Zeit fing z.B. Unsere Fergie auch an am Hoftor zu verbellen und wurde insgesamt etwas bestimmender.

Was ich auch bei verschiedenen IT und anderen Terriern feststellen konnte war, daß wenn man zu spät oder etwas unkonkret den Hund in der Erregung, wie hier beim geschilderten Hundekontakt von Frau Jans, versucht zu unterbinden, es den Hund nur noch in der Aggression bestärkt. Damit möchte ich jetzt nicht zu mehr Härte aufrufen, das ist sicher nicht der richtige und für jeden passende Weg. Vielleicht sollte man aber die Ansprache des Hundes in anderen Erregungssituationen prüfen und ggf. dort üben sich einzubringen. Vielleicht wird man dann in Folge auch in der Situation der Hundebegegnung vom Hund mehr für "voll" genommen.

Daß jeder Hund jeden anderen Hund mag kann man wohl nicht verlangen, aber schon, daß er sich benimmt wenn er an der Leine ist.

Monika, Sie schreiben die Hündin sei rückfällig geworden... War es denn zwischenzeitlich mit Training und Bachblüten besser?

Grüße, Angela Wahner
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Re: Beißen

Ungelesener Beitragvon Christian Tintrup » Mi 30. Okt 2013, 11:34

Susanne Jans hat geschrieben:Wie haben Sie bisher reagiert, Frau Becker-Knigge und was würden Sie uns raten, Frau Vietor?

Das würde mich auch interessieren.
Christian Tintrup
 

Re: Beißen

Ungelesener Beitragvon Wilfried Kaminski » Mi 30. Okt 2013, 12:05

Angela Wahner hat geschrieben:... wenn man zu spät oder etwas unkonkret den Hund in der Erregung, wie hier beim geschilderten Hundekontakt von Frau Jans, versucht zu unterbinden, es den Hund nur noch in der Aggression bestärkt.


Hallo Frau Wahner,

ich habe mit unserem Hund gekämpft/Zerrspiele durchgeführt. Die Erregung des Hundes steigerte sich dabei durchaus immer mehr bis - ja bis ich den Eindruck hatte jetzt sollte ich abbrechen. Das Abbruachsignal, also "Aus" oder die flache Hand als Signal für "Stop" wurde dadurch verinnerlicht.
Natürlich habe ich das ein oder andere Mal an den Händen/Armen Kratzer abbekommen. Aber Herzi hat zuverlässig Ruhe gegeben wenn ich abgebrochen habe. Mich hat dabei immer erstaunt wie schnell der Hund auf Normalmodus zurückgeschaltet hat - zumindest äusserlich.

Ich überlege gerade ob Aggressionsverhalten auch eine Art Stressabbau sein kann. Könnte durchaus sein, dass der Hund Frust kompensiert. Bewegungsmangel - unterdrückter Jagdtrieb oder ähnlches.
Gruß
Wilfried Kaminski
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Re: Beißen

Ungelesener Beitragvon Renate Gayk » Mi 30. Okt 2013, 19:46

Liebe Frau Becker-Knigge,
einen Rat habe ich nicht, aber eine kleine Schilderung:
Mein erster Irish Rüde hatte in unserer Irish Hündin eine strenge Lehrmeisterin. Sie knechtete ihn und trainierte dadurch enorm sein Kampfvermögen. Die Iren nehmen es mir hoffentlich nicht übel, aber mein Hund entsprach ziemlich gut dem Klischee der irischen Männer: Jede Prügelei freudig begrüßend, trank er ab und zu auch Alkohol, war zärtlich und fürsorglich zu allen Familienmitglieder, besonders aber zu den Kindern. Ich hatte niemals irgendwelche Bedenken, ihn mit kleinen Kindern allein zu lassen, man musste manchmal eher auf den Hund achten, wenn die Kinder mal wieder meinten, ihm in die Nase bohren zu müssen.
Ging es aber raus in den Wald und es begegnete uns ein anderer Hund, dann verwandelte sich mein sanfter Ire in einen Teufel und wenn ich nicht schnell genug mit der Leine war, dann stürzte er sich mit fürchterlichem Krach auf seinen Gegner. In seinem Überschwang ging es auch mal auf eine Hündin und als er es dann roch, sah man ihm seine Beschämung und Zerknirschtheit an. Nur einmal verletzte er einen Hund, dies geschah als der Besitzer des anderen Hundes ihn mit einem Stock geschlagen hat. Er kannte die Hunderegeln und danach kämpfte er, bis der andere sich unterwarf und das geschah meist sehr schnell. Er zog sich dann auch sofort zurück und gut war's. Im Alter von 10 Jahren geriet er an einen Bobtail und danach wurde er etwas ruhiger.
Ich hatte nicht den Eindruck, dass mein Hund aggressiv war! Er machte das, weil es seinem Naturell entsprach und er (wie die irischen Männer ;-) Spaß an einer guten Prügelei hatte!
Natürlich waren vor 25 Jahren nicht so viele Hunde unterwegs, wie es heute der Fall ist. Heute wäre es mir auch sehr stressig. aber ich bin der Meinung, dass auch diese Seite eines Irischen Terriers akzeptiert werden muss! Das macht ihn aus, dieses Draufgängerische und das Sanfte!
Dies ist kein Plädoyer für ein laissez faire in der Hundeerziehung, aber durchaus für ein Akzeptieren einer besonderen Wesensart unserer Hunde.
Für mich kann ich sagen, dass ich sie genau deshalb so liebe!
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Re: Beißen

Ungelesener Beitragvon Wilfried Kaminski » Mi 30. Okt 2013, 22:17

Renate Gayk hat geschrieben:Natürlich waren vor 25 Jahren nicht so viele Hunde unterwegs, wie es heute der Fall ist. Heute wäre es mir auch sehr stressig. aber ich bin der Meinung, dass auch diese Seite eines Irischen Terriers akzeptiert werden muss! Das macht ihn aus, dieses Draufgängerische und das Sanfte!
Dies ist kein Plädoyer für ein laissez faire in der Hundeerziehung, aber durchaus für ein Akzeptieren einer besonderen Wesensart unserer Hunde


Hallo Frau Gayk,
ich will Ihnen ja nicht zu Nahe treten, aber wir hätten uns einen "solchen" Hund mit Sicherheit nicht ins Haus geholt. Wir haben auch vom "Dare devil" gehört und den Schilderungen voin seinem besonderen Wesen , sind aber froh das unser Hund so rein gar nichts von deren Verhalten noch in sich zu tragen scheint.
Und gäbe es den "Dare Devil " so,noch wäre er mit Sicherheit auf irgendwelchen stumpfen Listen zu finden mit Auflagen und PipaPo.
Es soll ja Leute geben die auf einen "draufgängerischen" Hund abfahren. Aber da kann ich nur den Kopf schütteln und zu dieser Klientel gehöre ich nicht. Aber bitte es gibt ja noch Rassen die Minderwertigkeitsgefühle toll ausgleichen.
Jedesmal mit Stress rechnen bei Spaziergängen weil man Hund so ein toller Draufgänger ist? Nein Danke!!!!!

PS: Übrigens finde ich Ihre Einschätzung der Iren durchaus gewagt und wahrscheinlich nicht unbedingt repräsentativ.
Gruß
Wilfried Kaminski
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