Titertest statt Impfung

Allgemeines zu Irish-Terriern, insbesondere Haltung, Pflege und Gesundheit betreffend/ All about Irish-Terriers, especially keeping and health care.
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Titertest statt Impfung

Ungelesener Beitragvon Dr Birgit Gerber » Mi 29. Jul 2015, 10:03

Guten Morgen,

da für meine jetzt 1 jährigen Hunde bald die Jahresimpfung ansteht, habe ich mich wieder intensiv mit dem Thema Impfung befasst und für meine Welpenbesitzer und das Internet-Portal "HoundsandPeople" den folgenden Artikel geschrieben. Mich würde interessieren, wer damit schon Erfahrungen hat, wie Tierärzte darauf reagieren und welche Empfehlungen sie geben.
Hat jemand von Euch auch schon mal Welpen mit 5-6 Wochen getestet, um die wegen der mütterlichen Antikörper vermutlich meist sinnlose Impfung mit 8 Wochen zu vermeiden ? ( Ich denke aber, das wird vom KFT für die Wurfabnahme nicht erlaubt ?)

Grüsse an Alle

Birgit Gerber mit Fiara und Hayky.


Statt Wiederholungs-Impfung - Antikörper-Ttitertest VaccicheckR

Unzweifelhaft sind die Impfungen gegen Staupe, Parvovirose und Hepatitis für jeden Hund wichtig.
Vom Welttierärzteverband wird jetzt jedoch die Kontrolle von Titern - Staupe (S) , Parvovirose (P) , evtl . auch Hepatitis (H) empfohlen um unnötige Wiederholungsimpfungen zu vermeiden . Jede Impfung kann Nebenwirkungen, bis hin zum Tod des Hundes auslösen. Kombinations-Impfstoffe gegen mehrere Erkrankungen sind besonders risikoreich.
Wenn der Hund einen positiven Titer hat , hat er zirkulierende Antikörper gegen die genannten Infektionskrankheiten gebildet und muss gegen diese Krankheiten nicht nochmals geimpft werden. Bisher war die Titerbestimmung in einem Labor relativ kostenintensiv. Seit einiger Zeit gibt es auch in Deutschland Schnelltests, wie z.B.den VaccicheckR. Allerdings muss man erst einen Tierarzt finden, der diesen Test auch anbietet.
Meiner 1 Jährigen Hündin (geimpft in der 9. Und 16. Woche) wollte ich eine weitere SHP- Impfung ersparen und trotzdem sicher sein, dass sie geschützt ist. Laut WSAVA haben 98 % der Welpen nach der Gundimmunisierung im Welpenalter einen positiven Antikörper-Titer und nur wegen der restlichen 2 % werden alle Hunde mit 15 Monaten nochmal geimpft.
Nach einigen Telefonaten hatte ich in der Universitätsklinik München einen Termin. Aus der Vene am Hinterbein wurde eine kleine Menge Blut entnommen - die Hündin hat es kaum bemerkt – nach einer halben Stunde das Ergebnis: stark positiver Titer gegen Staupe, Parvovirose, Hepatitis . Also keine Impfung nötig !! Genau dieses Ergebnis hatte ich erwartet.
Wie funktioniert dieser Test:
Der VaccicheckR (von Biogal), ursprünglich in USA eingeführt, ist ein Schnelltest. Mit einem Test- Kit werden gleichzeitig Antikörpertiter für Staupe, Parvovirose und Hepatitis getestet.
Das Blut muss nicht in ein Fremd-Labor eingesandt werden. Der Test wird nach Auftauen direkt in der Tierarzt-Praxis durchgeführt. Das Ergebnis liegt innerhalb einer halben Stunde vor. Das Test-Kit kostet dem Tierarzt keine € 10,00.
Der Test arbeitet semiquantitativ , das heisst es kann keine genaue Antikörper- Titerhöhe bestimmt werden. Im Test sind 6 Graustufen mit zunehmender Intensität beurteilbar : keine Graufärbung und schwache Färbung (Stufe 1-2): Konsequenz nochmalige Impfung. Deutlichere Graufärbung (Stufe 3-4) und starke Graufärbung (Stufe 5-6): Antikörper-Titer ausreichend hoch - keine Impfung nötig.

Wie oft sollen jetzt weitere Titerkontrollen durchgeführt werden ?
Dies wird unter Tierärzten kontrovers diskutiert. Wenn man aber davon ausgeht, dass der Schutz einer erfolgreichen Impfung jahrelang bzw. sogar lebenslang anhält (Richtlinien des Welttierärzteverbands), sind weitere Titerkontrollen vermutlich nicht nötig. Beim Menschen werden Titerkontrollen nach Impfung mit Virus-Lebend-Impfstoffen im Allgemeinen auch nicht durchgeführt.
Immunologische Fachleute, halten eine Titerkontrolle nur für Welpen in der 5./6. Lebenswoche, zur Bestimmung des richtigen Impfzeitpunktes (hier allerdings Bestimmung der exakten Titerhöhe) und für Junghunde nach der Grundimmunisierung im Welpen-Alter für sinnvoll. Der Test kann ab ca 2 Wochen nach einer Impfung durchgeführt werden.
Ein positiver Titer schützt vermutlich lebenslang, und eine nochmalige Impfung bei positivem Titer erhöht den Schutz nicht.


Quellen:

http://vaccicheck.com/
http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.co.at
Vaccination Guidelines for new puppy owners [WSAVA Vaccination Guidelines, May 2013]
Guidelines for the Vaccination of Dogs and Cats [WSAVA Vaccination Guidelines, June 2010]
http://www.wsava.org/guidelines/vaccination-guidelines
Use of the term ‘Booster’ [Letter to WSAVA from Elizabeth Hart, August, 20th 2013]
http://www.zentrum-der-gesundheit.de/im ... re-ia.html
Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission Vet. für Hunde [bpt, Juli 2013]
Dr Birgit Gerber
 
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Re: Titertest statt Impfung

Ungelesener Beitragvon Dorle Schans » Do 6. Aug 2015, 22:08

Liebe IT Freunde,

hier die Leitlinien zur Impfung von Hunden , der Stiko Veterinär.(Ständige Impfkommission, es werden an die aktuelle Seuchenlage angepaßte Empfehlungen gegteben) . Genau so eine Stiko gibt es auch für die Humanmedizin.
Es wird dort zwischen Core und non-core Komponenten unterschieden - also wichtige und in bestimmten Lebensumständen weniger wichtigen Impfungen. Das ist sicher die für uns in Deutschland maßgebliche Quelle, welche die aktuelle Seuchenlage reflektiert in den Empfehlungen.

http://www.tieraerzteverband.de/bpt/berufspolitik/Impfkommission/03-index.php

Die Nebenwirkungen der Impfungen werden viel diskutiert - aber gibt es sie in dem Maße, wie man "gefühlt" annimmt? Einmal jährlich wird im Dt Tierärzteblatt veröffentlicht, was an Meldungen zu Nebenwirkungsvorkommnissen zentral gemeldet wurde. Dort werden sehr wenige Impfnebenwirkungen beschrieben. Werden dort zb auffällig viele Vorkommnisse gemeldet, würde der Hersteller kontaktet und weiteres Vorgehen besprochen. Deswegen möchte ich jedem Hundebesitzer raten: wenn Sie Nebenwirkungen bei Ihrem Hund beobachten, egal, nach welchem Medikamente, bitten Sie den Tierarzt, sie zu melden! Nur so kann man eine zuverlässige Sammlung/Auswertung bekommen.

Mich persönlich, und ich bin ja nun lange Jahre als Kleintierpraktikerin tätig gewesen sowie züchte seit 1983 Irish Terrier und impfe sie mehrfach, haben keine Vorkommnisse beunruhigt, meine Welpen zeigen als einzige Nebenwirkung, daß sie danach sich erstmal raufen und abreagieren, dann schlafen udn wenn sie aufwachen, durch die neue Erfahrung wieder ein Stückchen selbstsicherer durch´s Leben gehen. Der entstehende Impfknubbel stört die Wenigsten.Da wir beide TÄ sind, und unsere Hunde also mit einem ehrhöhten Risiko für evt eingeschleppte Infektionen durch zB Parvofälle in der Praxis belastet sind, werden meine Welpen mit 6 Wochen mit Nobivac SP / Parvo-Staupe geimpft, und dann mit 8 Wochen bekommen sie die erste Grundimmunsisierung, mit 12 Wochen dann die 2. Grundimmunsierung mit Tollwut . Mit 16 Wochen Tollwut und P/S . Dann dürften alle impflücken durch maternale Antikörper abgedeckt sein. Es gab bei sehr wenigen Welpen, evt 3? - von den Besitzern bei der Nachimpfung mit 12 Wochen Berichte über Müdigkeit. Bei einem sehr alten Hund, der mit einem Impfstoff, der 3 Jahre abdeckt , geimpft wurde, traten, Fieber, Schmerzen in allen Gelenken auf, die nach 2 Tagen abgeklungen waren. Eine dicke Impfbeule baute sich nach 3 Wochen ab.es ist logisch, daß, um eine gute Immunität zu erreichen, diese Wirkungsverstärker, die eine lokale Reizung veranlassen, intensiver dosiert sind , und dadurch mehr Schwellungen verursachen als die Jahresimpfstoffe.

Deswegen rate ich zu einem Impfschema, Grundimmunisierung und dann gemäß Leitlinie, jährlich mit tetravalentem Leptospierenimpfstoff nachzuboostern. Leptospirose ist eine Zoonose, also auf Menschen übertragbar und nach den Überschwemmungen der letzten Jahre in den betreffenden Gebieten oft zu finden.(zB Nobivac L4, diese Impfstoffe sind sehr neu, ca 2 j auf dem Markt) . Der herkömmliche L-Impfstoff war quasi wirkungslos, weil andere Komponenten der Leptospiren relevant sind aktiell und nicht jene, gegen die geimpft wurde. Man sollte auch im Hinterkopf haben, daß Staupe in Fuchs-und Waschbärpopulationen lokal vorkommt.
Es wird im Kollegenkreis disktutiert, ob der 3-Jahres Schutz zuverlässig so durchgehalten wird. Es wird darüber gesprochen, ob es evt nur 2 Jahre zuverlässig schützt. Die Firmen hören das nicht so gerne. Aber da sollte man evt auf Titerbestimmungen achten.
Semiquantitative Untersuchungen sind nicht zuverlässig genug, da sollte man schon den Goldstandard einsetzen, sonst wiegt man sich in Scheinsicherheit.

Etwas anderes noch: wegen der den Impfstoffen zugefügten Immunstimulazien ist es nicht sinnvoll, die Kombi-Impfung in Einzelimpfungen zu teilen. Dann bekommt der Hund mehrfach diese eine reizende Wirkung auslösenden Aluminium, Mineralöl, Antibiotika-Mixe zugefügt. Sie verursachen eine Reizung des Gewebes, damit sich dort Abwehrzellen versammeln, die das Ergebnis der Impfung ausmachen. Je mehr dieser Zellen versammlt sind, umso besser. Daher hat eine Schwellung nichts mit den Inhalten, welche gegen die Krankheit gerichtet sind, zu tun, sondern den beigefügten "Beschleunigern" der leichten lokalen Entzündungsreaktion. teilt man die 5-er Impfung auf 5x eine impfung, bekommt der Hund jedoch 5 mal statt einmal diese Reizstoffe!

Meine Hunde werden nun nach dem Schema der Stiko geimpft, wobei ich zum Herbst auch gegen Zwingerhusten als Nasenimpfung mit Bordetella und Parainfluenzakomponente impfe, da ich diese Erkrankung oft in der Praxis erlebte , einschleppen könnte , bzw weiß, wie langwierig das für die Hunde ist und besonders bei Welpen Entwicklungsrückstände auslösen kann.

Solange eine ausreichende Zahl einer Population gut geschützt ist durch Impfungen, kommen Ausbrüche der Krankheiten nicht vor. Sind immer weniger Hunde geschützt, nehmen die Erkrankungen zu, die allesamt potentiell tödlich verlaufen , bzw schwere Krankheiten sind.Es ist etwas wie mit den Masern in der Humanmedizin: aus Angst vor seltenen Nebenwirkungen wird zu wenig geimpft= es gibt wieder mehr Krankheitsfälle, die u U auch tödlich verlaufen können. Es gab schließlich Gründe, gegen diese schweren Erkrankungen Impfstoffe zu entwickeln.Ich habe als Kind Masern gehabt, schwerer Verlauf , 3 Wochen. Das hat mich enorm geschwächt, und danach bekam ich eine weitere Kinderkrankheit - Mumps evt? - und war wochenlang nicht in der Schule, konnte gerade noch versetzt werden.

Jeder ist verantwortlich für seinen Hund und sollte auf der Basis guter Informationen handeln.
Es grüßt in alle Richtungen

Dorle Schans

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Re: Titertest statt Impfung

Ungelesener Beitragvon Elke Leonhardt » Fr 7. Aug 2015, 15:13

Bei den D. Pinschern gibt es seit einigen Jahren überdurchschnittlich häufig Impfreaktionen.
Oder aber sie werden eher erkannt und gemeldet/ veröffentlicht.

http://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/ ... onFile&v=4
http://www.von-der-keltenschanze.de/dow ... tionen.pdf

Andrea Kraft von der Stallwache war da immer sehr informiert und engagiert
http://www.stallwache.de/Impfung.html


Die Nebenwirkungen der Impfungen werden viel diskutiert - aber gibt es sie in dem Maße, wie man "gefühlt" annimmt? Einmal jährlich wird im Dt Tierärzteblatt veröffentlicht, was an Meldungen zu Nebenwirkungsvorkommnissen zentral gemeldet wurde. Dort werden sehr wenige Impfnebenwirkungen beschrieben.


Bleibt die Frage, was nun erkannt und gemeldet wurde.

Man kann auch als einfacher Halter Impfreaktionen bzw Nebenwirkungen melden

https://verbraucher-uaw.pei.de/fmi/iwp/ ... loadframes

Hier die Statistik für Menschen

http://52625146fm.pei.de/fmi/iwp/cgi?-d ... loadframes
Gruß Elke mit
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Wenn wir nicht auf die Gefühle anderer achten, haben wir keine Richtschnur für unser Verhalten.

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