Geschichte(n)

Alles über Menschen & Hunde das uns interessieren könnte/ Everything of men & dogs what may be of interest.
[Moderator: Annette Wellmann]

Geschichte(n)

Ungelesener Beitragvon Anke Mieth » Fr 20. Mai 2016, 23:49

Im internen Forum wird zu Recht beklagt, dass die Beiträge hier im Forum wesentlich weniger geworden sind. Auch ich bedaure dies - auch wenn sich selbst ja zu den "Nicht-mehr-Schreibern" gehörte.
Auch ich denke, dass eigentlich alle Themen rund um den Hund inzwischen derart ausführlich diskutiert worden sind, dass Neulinge vielleicht erst mal die Suchfunktion bemühen sollten und sich tage- und nächtelang durch Beiträge/Themen lesen können, wie "wir alten Hasen" es auch getan haben, bevor neue Antworten kommen.
Ausgenommen davon sind sicher/hoffentlich neue Entwicklungen oder Informationen z.B. bzgl. aktueller Forschungsergebnisse, Impfempfehlungen oder ähnliche Dinge, die für alle von Interesse sind.

Aber ich möchte auch nicht, dass dieses Forum einfach eingeht und bin kürzlich beim Aufräumen meines Rechners auf einen Ordner gestoßen, in dem ich selbst verfasste Geschichten rund um meine Hunde gesammelt habe. Manche sind ziemlich alt, manche neuer aber alle haben vielleicht das Potential, dem ein oder anderen Leser ein Grinsen zu entlocken oder auch zu denken: Ha, da hab` ich was Besseres zu erzählen.

Kurzum, ich habe also beschlossen, diese Geschichten hier einfach mal nach und nach zu veröffentlichen - das hängt natürlich davon ab, ob sie den Lesern gefallen und ich hoffe auf viele Nachahmer, denn unsere Hunde schreiben doch so schöne Geschichten in unsere Leben.

Hier ist meine erste:

Der Wunderhund

Eine Hündin begleitet einen Menschen zu einer Party.
Auf der Party wird gegrillt.
Der Mensch beobachtet einen fremden Rüden dabei, wie er Fleisch vom Grill klaut, scheißt diesen zusammen, die eigene Hündin beobachtet eben dies.

Fortan sitzt diese Hündin neben dem Grill und knurrt jeden Hund in die Flucht, der sich dem Grill nähert -
ohne selbst jemals ein Stück Fleisch zu klauen.

Alle Menschen sind an diesem Tag satt geworden und kein Hund hat mehr Fleisch vom Grill erbeutet.
Blut ist nicht geflossen – jedenfalls nicht aus lebendigen Wesen.

Bei dieser Party waren ca. 50 Irish-Terrier und etwa 100 Menschen zugegen und wirklich alle haben sich stets unangeleint auf dem Gelände bewegt.

Diese Hündin war meine Buffy. Mein erster Ire und ein Wunderhund.

….

Ich suchte für meine Welpen gute neue Halter und hatte zum Besuch eingeladen.
Es kam u.a. ein Ehepaar.
Mitte 40.
Wohl situiert mit eigenem Haus und Garten.
Zwei nette Kinder (7 und 9), die mit den 6-Wochen alten Welpen bestens umgegangen sind.
Vorerfahrung mit Hunden hatten beide Eltern; sie auf einem Bauernhof aufgewachsen, er mit den Polizeihunden des Vaters.
Beide freiberuflich/selbstständig von zu Hause aus arbeitend; Hund also immer dabei.
Urlaub immer mit Hund (Wohnmobil).

Die Voraussetzungen schienen also ziemlich optimal.

Dann kam meine Hündin ins Spiel.
Beziehungsweise kam sie eben eher nicht.
Sie wollte nicht zu diesen Leuten, wollte sich von ihnen nicht anfassen lassen, nicht streicheln, beschmusen oder auch nur ansprechen lassen.
Sie verschwand einfach im Haus und ward während des gesamten Besuches nicht mehr gesehen.
Als die Familie weg war, kam sie in den Garten und ich könnte schwören, dass sie ihre Welpen wieder und wieder gezählt hat.

Zufrieden, dass noch alle da waren, hat sie sich so vor die Gartentüre gelegt, dass man diese von außen nicht mehr öffnen konnte, ohne sie selbst hoch zu scheuchen.

Ich habe dieser Familie keinen Hund verkauft, denn dieses Verhalten meiner Hündin signalisierte mir „Die Nix Gut!“.


Dieser Hund,
Buffy, k
kam 1996 zu mir und begleitete/erzog mich knappe 15 Jahre.
Sie hat mein Leben auf ihren eigenen Kopf eingestellt,
meine Sicht auf viele Dinge mit ihrem Terriertemperament bereichert,
sie hat erstaunlich viel in meinem Leben angerichtet.
Und es bereichert – ohne Ende.

Auf ihrem Grab erblüht jedes Jahr die schönste Rose auf unserem Grundstück.
Ich denke immer noch jeden Tag an diesen meinen „Wunderhund“.

Mittlerweile ist Finca auf dem Weg, sich als würdige Nachfolgerin zu etablieren.

Ich besuche regelmäßig Freunde in der bewaldeten Einsamkeit der Ratzeburgischen Seenplatte.
Dort geben sich Dachs, Rehbock, Igel, Hase und Vögel, Mäuse, aller Art ein Stelldichein auf dem Grundstück, wenn die Schatten des Tages weichen und die Nacht herein bricht.
Wir sitzen dann auf der Terrasse, ungefähr 5 Meter von all dem entfernt, was bei Finca üblicherweise ein gesteigertes „Beutegreifverhalten“ auslöst.
Doch es kam ganz anders:
Sie liegt neben meinem Stuhl auf ihrem Deckchen, schläft, zeigt keinerlei Ansätze, im höchst interessanten Wald zu verschwinden.
Wenn ich zum WoMo gehe, um irgend Etwas zu holen, erkennt sie daran, ob ich den Schlüsselbund mitnehme oder nicht, ob ich möglicherweise ohne sie wegfahren könnte, oder ob sie entspannt liegen bleiben kann.

Zu meinen Freunden dort kommen sehr viele Besucher. Manchmal sind sie angekündigt, manchmal nicht.
Während bei uns zu Hause vorbeiradelnde „Harmlos-Touristen“ grundsätzlich ca. 100 Meter weit laut kläffend auf ihrem Weg „begleitet“ werden, begnügt sich Finca bei unseren Freunden damit, mit vorsichtigem, geradezu „zögerlich vorgetragenem nach fragendem Knurren“, anzuzeigen, das sich fremde Menschen nähern – vom Deckchen aus.

Ich hatte mir sooo viele Gedanken gemacht, weil alle ihre Vorgängerinnen immer versucht hatten, sich in einem unbeobachteten Moment in den verlockenden Wald davon zu schleichen…
Ich habe extra eine Schleppleine, 3 Meter lang, ohne Schlaufe, angeschafft, sowie ein Batterie betriebenes Leuchthalsband mit allen verfügbaren Telefonnummern beschriftet und meinen somit Weihnachtsbaum-Ähnlichen Hund „frei“ laufen lassen.

Finca war ganz klar in ihrer Aussage an mich:
Rot halsseitig in alle Richtungen blinkendl,
mit 2,5 Metern Schleppleine ausgestattet,
lag sie entspannt schlafend auf dem Gartenstuhl neben mir.

Es kamen und gingen viele Menschen, es wurde gehupt, umarmt, gejubelt, geklatscht, gesungen;
Kinder schrien, tobten herum, es wurde gegrillt, Fleisch „heruntergefallt“,;
Es gab offenes Feuer, torkelnde Gestalten und alle „üblichen“ Gassi-Runden wurden ganz neu terminiert.


Was soll ich noch sagen?
Mein Hund hat mich total sprachlos gemacht.
Mit gerade mal 3,5 Jahren (was ja für einen IT bekanntlich die Frühphase des „Vernünftig-werdens“ bedeutet) hat sie mir gezeigt:
- Schleppleine? Braucht kein Hund!
- Nähe? Ist verdammt wichtig!
- Wohnmobil? Darf nicht ohne mich betreten werden, denn ICH MUSS MIT!

Entspann dich doch einfach, Mensch!
Beste Grüße,
Anke Mieth und Finca mit Buffy und Dacey im Herzen

Leben ist das, was uns zustößt, während wir uns etwas ganz anderes vorgenommen haben. (Henry Miller)
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Re: Geschichte(n)

Ungelesener Beitragvon Wilfried Kaminski » Fr 27. Mai 2016, 16:20

Hallo,

Anke Mieth hat geschrieben:Auch ich denke, dass eigentlich alle Themen rund um den Hund inzwischen derart ausführlich diskutiert worden sind, dass Neulinge vielleicht erst mal die Suchfunktion bemühen sollten und sich tage- und nächtelang durch Beiträge/Themen lesen können, wie "wir alten Hasen" es auch getan haben, bevor neue Antworten kommen.


Das denke ich auch. Es gibt zu den grundsätzlichen Themen nicht mehr viel oder auch gar nichts zu sagen. Trotzdem können sich hin und wieder neue Themen eröffnen an die wir nie gedacht haben.


Anke Mieth hat geschrieben:Mein Hund hat mich total sprachlos gemacht.


Es ist in den letzten Jahren weniger geworden, aber ich war auch einige Male sprachlos angesichts des Verhaltens unseres Hundes. Das überraschende, nicht kalkulierte Verhalten - im positiven Sinn - ist wunderbar.

Die Zeit des Aufruhrs in diesem Forum ist sicher vorbei und wird nicht wiederkehren. Aber ganz abschreiben würde ich es nicht wollen.
Gruß
Wilfried Kaminski
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Re: Geschichte(n)

Ungelesener Beitragvon Jens Both » Fr 27. Mai 2016, 16:49

Liebe Frau Mieth,

diese Gschichte ist so anrührend und auch zum Lächen anregend. :)
Danke. Danke, dass Sie sie mit uns geteilt haben :!:
Lieben Gruß,

Olli & Jens
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Re: Geschichte(n)

Ungelesener Beitragvon Elke Leonhardt » Di 31. Mai 2016, 12:48

Eine Geschichte ohne Worte meinerseits.
Hält irgend jemand hier das Foto für Zufall ...

http://cdn2.spiegel.de/images/image-460 ... 460079.jpg

Und der Artikel dazu
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natu ... 82812.html
Gruß Elke mit
Brown eyed friend Alan

Wenn wir nicht auf die Gefühle anderer achten, haben wir keine Richtschnur für unser Verhalten.

Dalai Lama
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