Eine weitere Geschichte...

Alles über Menschen & Hunde das uns interessieren könnte/ Everything of men & dogs what may be of interest.
[Moderator: Annette Wellmann]

Eine weitere Geschichte...

Ungelesener Beitragvon Anke Mieth » Fr 3. Jun 2016, 00:29

Hundecooling

In den vergangenen Sommern gab es auch bei uns im Norden sehr, sehr heiße Tage. Zwar nur wenige, aber die dafür umso ausgeprägter.
Für die Hunde hatte ich vor zwei Jahren besondere Kühldeckchen angeschafft.
Die sehen schön bunt aus, ähneln in der Struktur einer im Trockner geschrumpften Luftmatratze und haben statt Luft irgendwelche Chemiebrösel in den Kammern.
Wässert man diese Deckchen, dann ist die Außenhaut extrem schnell wieder trocken, aber die Chemiebrösel sind aufgequollen und geben Kälte ab.
Ein erster Selbstversuch bestätigte die angenehm kühlende Wirkung und rief demzufolge zunächst eine gewisse Zufriedenheit angesichts der Kosten von ca. 40 Euro pro Deckchen hervor.

Also fix die Wunderdeckchen an den üblichen bevorzugten Hundeliegeplätzen ausgelegt, die misstrauischen Vierbeiner mittels Leckerlies und viel positivem Zuspruch in erhöhter Stimmlage auf die Deckchen gelockt und mit Befriedigung deren vorsichtiges Niederlassen beobachtet.

Finca lag völlig unentspannt auf ihrem Chemiebröseldeckchen – das ich im internen Sprachgebrauch schon verkürzt als „Bröselmatte“ abgespeichert hatte - sah mich mit dem typischen leicht gequälten bis mitleidigen Blick an, den wir alle so gut von unseren Hunden kennen und wartete auf eine Gelegenheit, um mit oder ohne Erlaubnis diesen ungastlichen Ort zu verlassen.
Als ich kurz resignierend die Schultern hochzog, stand sie sofort glücklich wedelnd auf, entfernte sich langsam mit einem Blick über die Schulter, der wohl sagen sollte: „Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht, aber ich verzeihe dir!“ und streckte sich im Schatten unter unserem großen Thuja wohlig im Staub aus.
Zur Untermalung des Ganzen rekelte sie sich rechts und links, in Rückenlage und schubberte die Schnauze und den daran befindlichen Rest vom Hund genüsslich durch die sterbende Grasnarbe, um schlussendlich mit einem tiefen Seufzer geräuschvoll die Lider herunterzuklappen und einzuschlafen.
Vermutlich hat sie dabei nicht von Bröselmatten geträumt.

Dacey hatte sowieso schon längst die Flucht ergriffen und sich in der Zwischenzeit ein kühles Erdloch zwischen den frisch gepflanzten Bodendeckern hergerichtet.
Das war dann ihr Kommentar dazu, dass ich mich so sehr darum bemüht habe, Finca die Bröselmatte schmackhaft zu machen.

Iren bestrafen kleine Sünden sofort, größere wenn man das nächste Mal einkaufen ist und die Sonnenbrille auf dem Tisch liegen lässt….

Einige Bodendecker haben übrigens überlebt, aber nur die, die außen um Dacey`s Kuhle herum zu leben bereit waren.
Da war unser Oldie kompromisslos.

Einsam und frustriert saß ich oben auf der Holztreppe, schob die beiden verwaisten Chemiekörnerfehlinvestitionen aneinander und legte mich selbst darauf.
Kühl war es immerhin.

Am nächsten Tag habe ich die Dinger gewaschen und in den folgenden „tropischen Nächten“ in mein Bett gelegt.
Habe prima geschlafen und den neben mir im Körbchen hechelnden Hund mit einem gemeinen Grinsen bedacht.

Nach dieser wohlgemeinten, aber letztlich deutlich unbefriedigenden Lösung, den IT`s an heißen Tagen Abkühlung zu verschaffen, habe ich für die – noch zu erwartenden heißen Tage in diesem Jahr – nun einen Hundepool angeschafft (war gar nicht mal so teuer wie zwei „Bröselmatten“ und ist auch dem Auge gefälliger, weil nicht so schreiend bunt).

Dieser Pool hat 160 cm Durchmesser und ist 30 cm hoch.
Er hat ein praktisches Ablassventil, welches sinnigerweise auch tatsächlich unten angebracht ist und ganz wichtig:
Einen rutschfesten Boden, der laut Hersteller garantiert auch Hundekrallen standhält und das Risiko des Ausrutschens und unvermittelt bäuchlings im Nass zu landen für den Hund deutlich minimieren soll.
Dazu später mehr.

Ich habe den Pool so aufgestellt, dass nicht zuviel Laub und Dreck hereinfällt, genügend Sonne darauf scheint um das Wasser anzuwärmen und ein Sonnensegel darüber installiert, das ggf. ein zu starkes unerwünschtes Erwärmen des Wassers verhindert – kurzum perfekt; das Training konnte beginnen.

Bekanntlich sind die meisten ITs nicht gerade hydrophob, also beschloss ich alsbald mit einem ausgeklügelten Eingewöhnungsprogramm.
Die Eingangswasserhöhe war mit ca. 2 cm aufgrund des unebenen Untergrundes (=spontane Inselentstehung) recht gut gewählt.
Es gab ein Leckerchen für`s reinspringen/steigen, eines fürs drin stehen, noch eines für etwas länger drin stehen - und letztlich weniger Futter am Abend.

Von Tag zu Tag steigerte ich nun pädagogisch besonders wertvoll den Wasserspiegel und als gutes Vorbild bin ich natürlich immer selbst mit rein gestiegen (leider hat unser Brunnenwasser ca. 8 Grad, so dass ich schnell versucht war auch selbst ein Leckerlie zu essen - für reinspringen, drin stehen, etwas länger drin stehen…).

Finca ist brav mit hinein gestiegen – und auch schnell wieder heraus, während Daceys Halslänge innerhalb weniger Tage um ca. 8 cm zugenommen hat, weil sie immer versucht hat, das Leckerchen ohne Wasserkontakt zu erreichen. Nachdem das keinen Erfolg brachte, hat sie beschlossen den Pool fortan als eine Art „Nichts“ zu betrachten, ein schwarzes Loch gleichsam.
Es gab ihn in ihrer Welt einfach nicht und wer oder was immer sich darin befindet auch nicht und auch keine Leckerlies.
Wenn ich mit Finca am Pool „arbeite“, stand sie stoisch direkt daneben und starrt mit diesem wichtigen Blick: „Da vorne IST Etwas! - Ich weiß es!“ in die Ferne.
Damit trieb sie Finca in einen ernsthaften Konflikt.
Und sie wusste das, plante es, ich wusste das und das war echt frustrierend.

Da steht man als erwachsener Mensch mit Eiswürfeln in Fußform in einem Wasserbecken, besäuselt eine rote Fellnase mit sirenenwürdigem Singsang, badet Pansenstickstückchen in grüner Brühe und freut sich jauchzend, wenn ein Butterpfötchen die Wasseroberfläche zart durchbricht und daneben steht ein alter Hund, der nicht viel mehr machen muss, als einfach nur da zu stehen, das Geschehen mehr als nur zu ignorieren und das ganze Programm ist in Gefahr!
Ich überlegte kurzfristig, Dacey des Klassenraumes zu verweisen.

Dann: 8 Tage „Regenbreak!“ (Juli in Schleswig-Holstein)

Finca hat das mehrwöchige Training eigentlich ganz gut absolviert – ohne Gewichtszunahme - und wir sind mittlerweile bei 20 cm Wasserhöhe angekommen.
Leider haben aber die örtlichen Tagestemperaturen das mit dem Training nicht so richtig begriffen und sind noch nicht längerfristig bei über 20 Grad angekommen, so dass der Nachweis des Nutzens des Pools (und des Trainings) noch (!) nicht nachhaltig erbracht werden konnte.


Ein Badegast kommt zu Besuch

Heute war einer von den heißen Tagen, für die ich den Hundepool überhaupt angeschafft hatte.

Also die Hosentasche mit fettigen Leckerchen befüllt, Stimme auf Säuselniveau gebracht und den Finca-Hund in Richtung Pool gelotst.

Zu diesem Zeitpunkt war eine liebe Freundin zu Gast, die erwartungsgemäß kritisch gefragt hatte:
„Deine Hunde? Wasser? Ein Pool? Ha, ha!!!“
Ganz stolz habe ich also von meinen bisherigen kleinschrittigen Erfolgen berichtet und große Erwartungen hinsichtlich zumindest eines meiner Irish im Wasser erzeugt.

Ich habe sehr eloquent von der Eleganz geschwärmt, mit der Finca zunächst zart einen Fuß der Wasseroberfäche annähert, nur um beim Erstkontakt wieder zurückzuzucken, wieder Anlauf zu nehmen usw., bis der Fuß (Butterpfötchen) sich langsam durch die Oberfläche senkt, das Körpergewicht sich allmählich darauf verlagert und der Weg bereitet wird, um den nächsten Fuß vielleicht innerhalb der nächsten drei Minuten nachzuziehen.
Fünf Leckerchen später ist dann der entscheidende Zeitpunkt gekommen:
Sie steht mit und auf allen vier Beinen im Becken und es ist egal ob sie vorwärts oder rückwärts wieder hinausspringt – sie bleibt gleichermaßen nass, weiß das auch und ab da kann ich dieses Spiel beliebig oft wiederholen.

Dieses wunderbare Szenario wollte ich also heute demonstrieren.

Voller Elan stieg ich - fröhlich freudige Töne von mir gebend – mit Leckerchen in der Hand vor Aller Augen in den rutschfesten Pool.

Leider hatten sich inzwischen einige Algen dort angesiedelt, die erheblich dazu beitrugen, dass die Oberfläche des Bodens zwar vielleicht noch rutschfest für Hundepfoten gewesen sein mag, aber der größeren Auflagefläche eines Menschenbutterpfötchens konnte der arme Kunststoff leider nichts entgegen setzen.
Das Wasser spritze hoch und ich fluchte laut; Finca ergriff erstmal die Flucht und erhebliche Mengen des Wassers auch.
Verdrängung halt; ein normales physikalisches Phänomen….

Die besonders leckeren, fettigen Leckerlies verursachten in kurzer Zeit einen leicht öligen Film auf der Wasseroberfläche, der sich ausgehend von meiner Hosentasche olfaktorisch alsbald auch der Nase von Finca annäherte – verbunden mit deren Erkenntnis, dass die Chancen ganz gut sein könnten, die Dinger ganz ohne eigenes nass werden abzugreifen.

Meiner Freundin bot sich in diesem Moment das Bild ihrer in einem Hundepool sitzenden Freundin mit einer ölenden Hosentasche, einem missmutigem Gesicht, einem freudig wedelndem (und sehr trockenem) Hund neben dem Pool.

Nach dem Motto:
„Ich bestimme hier, wer zuletzt und am besten lacht“, habe ich mich bemüht so zu tun, als ob diese Situation bewusst von mir genau so herbei geführt worden wäre.
Ob es Jemand geglaubt hat weiß ich nicht.

Zumindest hat Finca gemerkt, dass hund alleine vom Aroma eines öligen Films nicht leben kann und hat sich dann doch physisch der unter Wasser befindlichen Nahrungsquelle auf die oben beschriebene Weise genähert. DEAL!!!
Sie stand neben mir im Pool, hat sich Wasser von oben über den Rücken schöpfen lassen – während von vorne wässrige Leckerlies in sie hineingefüllt wurden und hat den Pool folgerichtig erst verlassen, als die Leckerchen alle waren.
Dann allerdings auch recht … zügig.

Stolz wie Bolle habe auch ich, tropfend, aber sehr aufrecht, den Algenpfuhl verlassen und meiner Freundin ein triumphierendes:„ Das hättest du nicht gedacht, oder?“ entgegengeschmettert.
Die lapidare Antwort:
„Stimmt! Ich hätte es mir so gut nicht vorgestellt.“

Ich denke wir haben das Geschehene einfach etwas unterschiedlich interpretiert…

Ca. 10 Minuten später kehrte ich frisch geduscht auf die Terasse zurück.
Finca war auch schon wieder ganz trocken und darüber habe ich mich ein klein wenig gewundert. Schließlich ist der Hund doch eher nicht in der Lage, sich selbstständig mit einem Handtuch abzurubbeln.

Pfoten /Beine trocken lecken?
Das kann ein Hund natürlich – im Gegensatz zu mir!
Aber der Rest???

Kurz darauf musste meine Freundin los und ich widmete mich wieder dem Ernst des Lebens in Form der Geschirrspülmaschine, die auf Befreiung ihres Arbeitsergebnisses wartete.
Gegenüber der Geschirrspülmaschine hängen hinter zwei Vorhängen unterhalb eines Regals die Geschirrhandtücher.
Diese Vorhänge standen unerwartet offen.
Die Geschirrhandtücher waren unsinnig umeinander gezwirbelt.
Die eigentlich weiße, trockene Tapete dahinter war feucht und irgendwie graugrün.

Ich habe meine Freundin noch mal kurz angerufen und gefragt ob sie zufällig beobachtet hat, wo Finca war, während ich geduscht habe.
Hat sie nicht.
Sie hat Finca nicht gesehen.
Jedenfalls nicht nass.

Ich habe danach kurz überlegt, den Hundepool wieder zu verkaufen, aber NOCH nicht!
Das nächste Projekt ist nämlich, Finca beizubringen, gemeinsam mit mir im großen Pool zu baden….
Beste Grüße,
Anke Mieth und Finca mit Buffy und Dacey im Herzen

Leben ist das, was uns zustößt, während wir uns etwas ganz anderes vorgenommen haben. (Henry Miller)
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Re: Eine weitere Geschichte...

Ungelesener Beitragvon Wilfried Kaminski » Di 21. Jun 2016, 09:47

Hallo,

eine sehr schöne Geschichte und so viel Mühe und Aufwand um den Hund zu seinem Glück zu zwingen ;) .

In den frühen Jahren hatten wir auch so ein Plantschbecken für die seinerzeit noch "Minis". Der Gedanke auch Herzi von der erfrischenden Wirkung kühlenden Nasses zu überzeugen kam immer wieder auf und auch wir haben es im Vertrauen auf den unstillbaren Hunger des Hundes mit Leckerlies versucht ... nur ... ein Hund mit(!) Charakter verkauft seine Seele nicht für ein paar trockene Plätzchen.

Herzi jedenfalls blieb stets standhaft und so blieb es in nun mehr als 13 Jahren bei einer Zwangsbadung, welches auch nur der Tatsache geschuldet war, dass Herzi als unschuldiger Welpe im Wald auf eine mit Blättern getarnte Moddergrube (Graben) hereinfiel (im wahrsten Sinne des Wortes). Es gibt auch Beweisfotos die unterstreichen das eine Zwangsbadung des nicht sehr wohlriechenden Hundes notwendig machten. Glücklicherweise war ich nicht dabei und Herzi konnte diese Missetat nicht mit mir verknüpfen....

Immerhin akzeptierte Herzi im Laufe der Jahre Spaziergänge bei sehr leichtem - einsetzenden Nieselregen .... ist der Boden aber erst einmal richtig nass wird das Unterfangen schwierig und nasse Pfoten mochte Herzi noch nie ....
Gruß
Wilfried Kaminski
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